Bündnis 90/Die Grünen

Landkreis Rostock

Aktuelles - Ortsverband Region Schwaan

Wohnungsbau in Schwaan

11.05.26 – von R. Zöllig –

Wohnen in Schwaan ist nach wie vor attraktiv: Die Umgebung ist schön und eher ländlich geprägt, die verkehrstechnische Erreichbarkeit größerer Städte wie Güstrow oder gar Rostock sehr gut, alle wichtigen Versorgungseinrichtungen sind vorhanden, das Wohnen dagegen im Vergleich relativ günstig. Kein Wunder, dass besonders Auswärtige sich für Bauland und Wohnungen in Schwaan interessieren. Aber wie gehen wir damit um? Wohin will die Stadt, wie groß soll sie wachsen und was kann sie beim Wohnraum leisten? Seit Jahren fordern die Grünen in der Stadtvertretung ein Stadtentwicklungskonzept für unseren Heimatort, um die Ziele im Vorfeld klarzustellen. Wir meinen, dass Schwaan mit derzeit etwa 5.100 Einwohnern seinen kleinstädtischen Charakter in etwa dieser Größenordnung bewahren soll.
Von der Mehrheit der Stadtvertreter angestrebte Lösungen auf die Nachfragen erfolgen leider viel zu oft aus politischem Aktionismus heraus und ohne gründliche Abwägung: Schnell Bauland schaffen und Einnahmen aus Grundstücksverkäufen für die Kommune generieren, wobei Zersiedlung und Bodenversiegelung eine untergeordnete Rolle spielen. In den meisten Fällen ist ein Neubaugebiet ein Minusgeschäft, denn die Einnahmen aus Grundstücksverkäufen sind einmalig und auch die höheren Einnahmen aus Infrastrukturpauschale und Einkommenssteuer wiegen die Nachteile nicht auf: Die Infrastrukturkosten sind dauerhaft und steigend, wie z.B. Straßenunterhaltung, Winterdienst, innerörtliche Parkplätze, Abwasser / Trinkwasser, Berücksichtigung u. ggf. Anpassung der Feuerwehr-Ausrückzeiten, Inanspruchnahme der medizinische Versorgung ...
Jedes neue Baugebiet erzeugt dauerhafte Folgekosten, über Jahrzehnte. Aus all diesen Gründen haben wir auch gegen den B-Plan Nr. 12 "An den Obstbaumwiesen" gestimmt, worüber auch der NDR berichtete. Sogar im Bauausschuss wurde die ungenügende Infrastruktur in dem geplanten Baugebiet bemängelt. Inwieweit diese abgestellt werden (können) bleibt erst einmal offen.

Wir alle wollen erschwinglichen Wohnraum, besonders auch für Geringverdiener und Senioren!
Dafür gibt es durchaus Möglichkeiten, ohne wesentlich in die Umgebung zu wachsen:

1. Auslastung und Vollendung bisher genehmigter Maßnahmen, z.B.

  • Im Baugebiet "Kuhbergtannen" an der Niendorfer Chaussee (seinerzeit sinnvollerweise genehmigt, um eine Industriebrache zu beseitigen) sind noch 16 voll erschlossene Bauplätze vorhanden (Stand Mai 2026): https://www.staebelower-eg.de/baugebiete/b-plan-nr-8-kuhbergtannen-18258-schwaan
  • Die geplante Bebauung in der Lindenbruchstr. (früher Jugendclub bzw. DRK-Kleiderkammer) liegt auf Eis, weil der Investor unter den veränderten gegenwärtigen Bedingungen sein Vorhaben nicht akzeptabel finanzieren kann. Wir hatten daher gefordert, den Rückkauf des ehemals städtischen Grundstücks zu prüfen (natürlich unter Erstattung der Kosten, die dem Investor durch z.B. Baugrund-Beräumung bereits entstanden sind) und das Grundstück einer bekannten Wohnungsgesellschaft aus der Region anzubieten, die kleinere und erschwingliche Wohneinheiten vermietet und seinerzeit beim Verkauf nicht den Zuschlag erhielt.
  • Nach zeitweiligem Stillstand geht nun die Bebauung in der Bützower Straße / Ecke Gartenstraße wieder voran. Hier sollen barrierearme Zwei-, Drei- und Vierraumwohnungen samt Aufzügen, zirka 20 Wohneinheiten, entstehen. Über die Nachfrage ist offiziell wenig bekannt.

2. Ausnutzung neuer rechtlicher Möglichkeiten

Der Bauturbo ist eine jüngst in Kraft getretene, bis Ende 2030 befristete Sonderregelung im bundesdeutschen Baugesetzbuch, die den Wohnungsbau durch beschleunigte Verfahren, reduzierte Vorschriften und erleichterte Genehmigungen fördern soll. https://www.regierung-mv.de/Landesregierung/im/Bau/Planen-und-Bauen/Bau%E2%80%93Turbo/
Er soll dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum entgegenwirken, u.a. durch folgende Möglichkeiten:

  • Zulässige Abweichungen vom Bauplan (z.B. mehr Geschosse als vorgesehen)
  • Verzicht auf komplettes Bebauungsplanverfahren für bestimmte Wohnbauprojekte
  • Umnutzung bestehende Gebäude, z.B. Büros oder Gewerbeflächen zu Wohnraum, eine Nachverdichtung bestehender Wohngebiete

Der Bauturbo beschleunigt und vereinfacht die Verfahren Es muss aber strukturiert vorgegangen werden. Dazu wäre ein Baulückenkataster sinnvoll, in dem Leerstände und Nachverdichtungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Insbesondere letzter Punkt wäre eine sinnvolle Alternative zur Bebauung grüner Flächen vor der Stadt.

Schwaan war eine Ackerbürgerstadt. Viele Grundstücke innerhalb der Stadt sind ausreichend bemessen und oft zweireihig bebaut durch Wohnhäuser und Stall bzw. Scheunen dahinter. Können diese nicht weiterentwickelt und neu strukturiert werden durch Um-, Aus- oder Neubau?

Renee Recke

Rüdiger Zöllig

Kategorie

Ortsverband Region Schwaan